Große Brennnessel
- gaiasgruenerwunder
- 26. Juli
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. Juli
Weiterer Name: gewöhnliche Brennnessel , Donnernettl, Hanfnessel, große Neddeln, Zingel, Tissel
Botanischer Name: Urtica dioica
Familie: Brennnesselgewächse ( Urticaceae)
Blütezeit: Juli-Oktober
Höhe: 30-150 cm
Ordnung: Rosenartige ( Rosales)
Gattung: Brennnesseln ( Urtica)
Art: Große Brennnessel

Namensherkunft:
Der Name wird hier geteilt:" Brenn": Bezieht sich auf das brennende Gefühl sowie die Bildung von Quaddeln auf der verletzten Stalle hin. Diese entstehen durch das abbrechen der feinen Brennhaare wobei ein Sekret aus Histamin und Ameisensäure in die Haut injiziert wird. "Nessel": Abwandlung vom althochdeutschem” nezzila” oder mittelhochdeutschem “ nezzel”. Es verweist auf die Nutzung als Faserpflanze. Vor der Verbreitung der Baumwolle wurden die Stängel der Brennnessel zu einem strapazierfähigem Stoff , dem sogenannten Nesseltuch, versponnen.
Das botanisch genutzte Wort “ Urtica” stammt vom lateinischen Wort “ urere” ( brennen) ab. “Dioca “ bedeutet zweihäusig und verrät, das es männliche und weibliche Pflanzen gibt.
Erkennungsmerkmale:
Laubblätter: Blätter gegenständig angeordnet, gestielt, eiförmig-länglich, lang zugespitzt, behaart, z.T mit Brennhaaren, mit Nebenblättern; Blattrand gesägt,
Stängel: aufrecht, unverzweigt, vierkantig, innen hohl
Wurzel: lange kriechende unterirdische Ausläufer die der Verbreitung dienen
Blüten: Männliche und weibliche Pflanzen stehen brav gesittet nebeneinander. Auf einer Seite die Herren, auf der anderen Seite die Damen. An der Blüte gut zu unterscheiden. Männlich: klein, grünlich- weiß, in traubenartiger Rispe, waagerecht, leicht nach oben gebeugt abstehend, 4 Staubblätter Weiblich: klein, grünlich, in hängender, traubenartiger Rispe, oberständiger Fruchtknoten
Sowohl männliche als auch weibliche Blüten besitzen unscheinbare Kelchblätter die man als Perigon ( Blütenhülle) bezeichnet, da sie von gleicher Farbe wie die Blüte sind.
Bei unbedachter Berührung der Pflanze brechen die Brennhaare ab und es kommt zu dem bekannten "Schmerz" und Quaddelbildung.
Verwechsler:
Taubnesseln: diesen fehlen jedoch die Brennhaare
Kleine Brennnessel: Blattform eher rundlich, Pfahlwurzel, einjährig
Sekundäre Inhaltsstoffe:
Flavonoide
Phenolcarbonsäuren
Phytosterole ( vor allem in der Wurzel)
Lektine ( Wurzel)
Cumarine
Carotinoide
Im Brennnesselsaft in den Brennhaaren :Histamin, Serotonin , Acetylcholin
Verwendung:
Brennnesseln sind essbar. Bei roher Verwendung, Beispielsweise im Salat, sollte man vorher die Brennhaare entfernen. Beim rollen oder klopfen mit einem Nudelholz über die Blätter brechen die Brennhaare hab. Erhitzt verschwinden die Brennhaare von allein. Gekocht oder als Tee- in jedem Fall eine Bereicherung für die Küche. Da Brennnessel harntreibend ist den Tee besser nicht vor dem schlafen gehen trinken.
Als wahren Superfood bezeichnet man Samen der Brennnessel. Zu finden an der befruchteten weiblichen Pflanze, sammelt man die Samen, am besten mit Schere und Handschuhen. Sie enthalten: rund 30 % Eiweiß, ungesättigte Fettsäuren, reichlich Vitamin E, Carotinoide, B-Vitamine und Mineralstoffe wie Eisen, Calcium und Kalium.
Aus dem Stängel der Brennnessel kann man Fasern gewinnen und diese zu Stoffen und Kleidung weiterverarbeiten.
Als Cremes oder Salben für unterschiedliche Einsatzgebieten
Färberkraut: Wurzel färbt Wolle und Baumwolle, nach voheriger Beize, wachsgelb.
Brennnesseljauche: Blätter in Wasser einlegen und 10-14 Tage ziehen lassen) bis sie Blasen wirft). Riecht etwas unangenehm, aber die fertige Jauche liefert als natürlicher Dünger viel Stickstoff und Kalium. 1 Liter Jauche mit 10 Liter Wasser verdünnen. Diese Jauche kann auch gegen Blattläuse verwendet werden. Mischverhältnis 1:20 und die Pflanze damit besprühen
Als Mulch die Pflanze zerkleinern und im Beet verwenden. Zerkleinert im Kompost beschleunigt sie den Kompostiervorgang.
Medizinische Eigenschaften
antioxidativ, entzündungshemmend,durchblutungsfördernd, entwässernd, Adstringierend, blutbildend, blutreinigend, blutstillend, harntreibend,milchtreibend,immunmodulierend, antirheumatisch, prostataschützend, vitalisierend, stärkend
Volksmedizinische Verwendung
Die grosse Brennnessel harntreibende Eigenschaften enthält, nutz(e) man diese, die Blätter als Tee zubereitet, zum" Durchspülen" bei leichten Blasen und/oder Nierenbeschwerden.
Sie diente als Frühjahrskur zur Anregeung des Stoffwechsels und zur Entgiftung.
Bei arthritischen Beschwerden sowie Gelenkschmerzen
und vieles mehr.....
Meine Informationen volksmedezinischer Verwendung stammen aus verschieden Quellen wie z.b. Fachbüchern über Heilpflanzen. Sie dienen ausschließlich der Information und ersetzen weder den Besuch beim Arzt/ Ärztin noch eine medezinische Beratung oder Behandlung. Personen mit chronischen Erkrankungen, Schwangere, Stillende sowie Menschen die regelmäßig Medikamente einnehmen sollten die Anwendung von Heilpflanzen grundsätzlich vorher mit einem Arzt/Ärztin besprechen.
Geschichtliches und Mythologie:
Bis ins 18. Jahrhundert waren die haltbaren, aus 5-7,5 Zentimeter langen Zellen bestehenden Stängelfasern wichtig für Stoffe, Fischernetze und Schnüre.
Im Brauchtum nutze man große Große Brennnessel zur Urtikation. So nannte man das Peitschen des Körpers mit Brennnesseln, um damit gegen Rheuma, Potenzprobleme und andere Leiden vorzugehen.
Aphrodisiakum und Liebeszauber: Samen und Blätter der Pflanze wurden jahrhundertelang als starkes Liebesmittel eingesetzt. Im Mittelalter galt das sogenannte „Sengen“ mit der Nessel als Liebesgeißel. Mönchen und Nonnen war der Verzehr hingegen verboten, da er angeblich das Keuschheitsgelübde gefährdete.
Jungfrauentest: Hier sind zwei Varianten bekannt. 1. Die (Jung) Frauen mußten Barfuß durch ein Brennesselfeld laufen. 2. Die (Jung) Frauen mussten in ein Brennnesselfeld greifen. "Verbrannten" sie sich nicht, war der Test bestanden. Drückt man Brennnessel mit ein wnig Kraft zusammen "verbrennt" man sich nicht, doch dies wussten damals nur wenige.
Die Brennnessel hatte eine Beziehung zum Blitz. 1892 berichtete ein Forscher Namens Wislocki : " Serbische Zigeunerinnen winden aus neunerlei Kräutern, darunter Brennnessel nicht fehlen darf, zu Pfingsten einen Kranz und werfen ihn über das Dach ihrer Hütte. Der soll den Blitz abwehren.
Schutz vor Blitz und Unheil: Weil die Brennnessel auf der Haut brennt wie ein Blitzstrahl, nannten die Germanen sie „Donnernessel“. Sie warfen Büschel der Pflanze ins Herdfeuer, um Blitzeinschläge abzuwenden. Auch das Aufhängen an Haus- oder Stalltüren sollte Dämonen fernhalten.
Aufgrund ihrer brennenden Kraft galt sie als heilige Pflanze des germanischen Donnergottes Donar (Thor). Sie wurde als mächtiges Schutz- und Zauberkraut verehrt, das Blitze abwehren, böse Geister vertreiben und die Fruchtbarkeit sowie die menschliche Lebenskraft stärken sollte. Sie galt als Symbol für Widerstand und Schutz und wurde oft bei Ritualen genutzt.
Zur Mittsommernacht hängte man gebundene Brennnessel-Sträußchen an Hauseingänge um Kreaturen aus der Anderswelt abzuwehren.
In Schleswig wurden Brennnesselsträuße in Ställen aufgehängt, um die Verzauberung des Viehs zu verhindern.
Zur Johannisnacht wurden Brennnessel- Pfannkuchen gegessen um, in dieser Nacht, gefeit gegen Nixen- und Elfenzauber zu sein.
Am Gründonnerstag auf dem Dachboden ausgelegte Brennnessel soll das Haus vor Blitzschlag schützen.
Seit alters her gelten in vielen Ländern stachelige und dornige Pflanzen als Zauberkräuter zur Abwehr von Dämonen, Hexen und Zauberern.
In Island vergrämte man Hexen und Zauberer, indem man mit Brennnesseln um sich schlug.
Die große Brennnessel ist Bestandteil der 9- Kräuter Suppe, die nach dem Winter Kraft spenden soll.
Wetterpflanze ( Volksglauben):Wächst die Brennnessel im Frühjahr mit löchrigen Blättern hoch, kündigt dies Hagelwetter an. Wächst die Pflanze im Sommer besonders hoch und kräftig, steht ein kalter, strenger Winter bevor.
Literarische Erwähnungen
Im Märchen „Die wilden Schwäne“ von Hans Christian Andersen erlöst die Prinzessin Elisa ihre verwunschenen Brüder, indem sie Hemden aus Brennnesselfasern spinnt und strickt. Dieses Märchen erinnert uns daran dass man früher tatsächlich Kleidung, Netze und Stricke aus Brennnessel Fasern herstellte
Für Albrecht Dürer war die Brennnessel „eine von Gott geschenkte Pflanze“. Seine Wertschätzung zeigte er in der Darstellung eines Engels, der zum Thron Gottes fliegt - mit einer Brennnessel in der Hand.
In Victor Hugos „Les Misérables“ kommt ein Mann in ein Dorf mit verarmten Bewohnern. Er lehrt sie, aus der bisher für unnütz erachteten Brennnessel Nahrung, Textilien und Dünger zu gewinnen.
Gut zu wissen: Ampfer wächst oft in der Nähe von Brennnessel und kann verwendet werden, um Brennnesselstiche zu lindern.





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